Wacken Freitag

Freitag, 03.08.2018:

Freitag Morgen und die Welt ist in Ordnung. Nach einem Rundgang durch Wacken und einem Frühstück bei Mutti geht es frisch gestärkt zurück zum Campingplatz um sich fit zu machen für den Tag. Erstmal aber heißt es noch ein wenig in der Sonne sitzen und nicht gleich losstürmen.

Los geht der Konzerte-Reigen mit AMARANTHE – die eierlegende Wollmilchsau des Metal, wie wir feststellen können. Eine Sängerin, die super aussieht und singen kann, ein Sänger zum Trällern und ein Grunzer für die nötige Härte. Die Songs haben jede Menge Pop-Appeal, erinnern teilweise aber auch an SOIRLWORK und gehen generell gut ins Ohr. Den stetig wachsenden und super aufgelegten Zuschauer Schaft feiert die Band jedenfalls gut ab – zu Recht, wie ich meine.

Poppig geht es weiter mit CANNIBAL CORPSE. Hit reiht sich ein Hit an den anderen, Frauenherzen schlagen höher, als der Corpsegrinder seinen Charme spielen lässt. CANNIBAL CORPSE liefern das ab, was man von ihnen erwartet. Hier gibt es aber auch einen handfesten Skandal zuvermelden, denn „The Neck“ fällt laut Burn kurz aus der Reihe, weil er für einen Sekundenbruchteil so etwas wie ein Grinsen, sprich gute Laune, auf seinem Gesicht erkennen lässt. Er dreht sich aber schnell vom Publikum weg und ist im nächsten Moment wieder ultraböse. Dennoch bleibt natürlich der Eindruck, dass CANNIBAL CORPSE weich werden. Das können wir nicht ertragen und gehen zum Biergarten, wo eine besondere Überraschung auf uns wartet: SALAMANDA. Ich kann das eigentlich nicht in Worte fassen, unpassender kann man keiner Band einen Slot geben. Was ist das da eigentlich, was die machen? Bitte googeln und Kotztüten bereithalten. Wir hatten Angst, unsere Kameras gehen kaputt, und haben kein Foto gemacht. Da wir auch extreme Angst um Ohren und Verstand hatten, wurde erstmal schnell das Bier runtergekippt und wieder in Richtung CANNIBAL CORPSE geflohen, wo wir uns zu den wohligen Klängen von „Hammer Smashed Face“ wieder sicher und behütet fühlen konnten.

Bei AMORPHIS ist danach erstaunlich viel Platz vor der Bühne. Zum größten Teil wird das wohl an der unglaublichen Mittagshitze liegen, die um inzwischen 13:30 ihren Höhepunkt zu erreichen scheint. Zum anderen ist das neue Album vielleicht doch nicht ganz so stark, wie es die Rock Hard einem einreden will. Die Musik auf „Queen Of Time“ ist meiner Meinung nach ähnlich, aber spannungsärmer als auf dem Vorgängeralbum, und das Konzert enthält vier Songs des neuen Outputs. Es reicht halt zum Mitwippen mit Fuß und Kopf, aber taugt nicht zum kompletten Ausrasten. Highlight ist dann sicher der Doppelpack der beiden älteren Songs „Against Widows“ und „The Castaway“. Aber dass man sich mal wieder „Black Winter Day“ verkneift, finde ich ziemlich doof.

Danach ist es erstmal Zeit, sich das Infield etwas näher anzuschauen. Eine super Sache sind natürlich bei den Witterungsbedingungen die kostenlosen Trinkwasserstellen, auch wenn es durchaus eine oder zwei mehr hätten sein können. Die Trinkpäckchen, die man zum Befüllen im Full Metal Bag bekam, reichen mir aber nicht aus, und ich bin froh über meinen Liter-Krug. Fressalien gibt es natürlich wieder in Hülle und Fülle, für Veganer, Vegetarier und alle die sich nicht entscheiden können. Klos sind genug da, ein bisschen Merch, am Rande auch die Zone für Leute, die Wert auf Handgekritzeltes ihrer Idole legen und sich Autogramme auf die Plauze geben lassen. Bierstände gibt es in Hülle und Fülle, und dazu noch die mobilen Bier-Engel, die mir sehr gut gefallen, weil sie das Bier fairerweise immer randvoll machen. Also insgesamt alles sehr cool auf dem Gelände. Nichtsdestotrotz gehen wir erstmal aus der Sonne und befüllen unseren Pool mit kaltem Wasser, Füße rein, herrlich. Kaltes Bier auf dem zeltplatzeigenen Supermarkt kostet 2,- €, fairer Kurs, und für ein kaltes Bier würde mancher auch mehr zahlen. So kann man es sich gut gehen lassen!

Dennoch soll es noch besser werden, als CHILDREN OF BODOM am frühen Abend eines der besten Konzerte des Festivals geben. Vor einigen Wacken hatte ich mich noch richtiggehend gelangweilt und der Band abgesprochen, dass sie noch das nötige Feuer hätten – davon sind wir hier heute Abend meilenweit entfernt! Spielfreude pur, beste Laune bei allen Musikern, obergeile Song-Auswahl. Dazu endlich gemäßigte Temperaturen, leicht einen sitzen und keine Termine. Alexi Laiho nimmt man heute Abend kein einziges „fuck“ in seinen Ansagen krumm, Mr. Warman spielt einhändig, um mit der anderen Hand Bier zum Exen zu heben oder Handyvideos zu drehen, und ich habe das Gefühl, bei einer Band Anfang ihrer 20er zu sein. Bin mal gespannt, ob sie diese Energie auch wieder auf einem eventuell bald erscheinenden Album konservieren können. Für heute Abend sind die Fans jedenfalls restlos glücklich.

Jetzt könnte die Party bei TROLLFEST weitergehen, aber leider ist der Sound auf der Wackinger Stage so miserabel, dass die Band total Scheiße wirkt. Ich habe sie vor ein paar Wochen auf dem RockHarz gesehen, wo sie im richtigen Umfeld eine riesige Sause veranstaltet haben – dazu kommt es hier leider nicht, viele der zahlreichen Instrumente sind überhaupt nicht wahrzunehmen, der Rest ergibt einen grausamen, scheppernden Soundbrei. Enttäuscht ziehen wir ab. Zeit für den nächsten Headliner, NIGHTWISH geben sich die Ehre und spielen ein romantisches Konzert in der schönsten Abenddämmerung. Hier wird ein schöner Querschnitt aller Schaffensphasen geboten, Floor Jansen singt prächtig und sieht ziemlich elbisch aus in ihrem Kostüm. Natürlich ist das Infield supervoll, und weil das hier alles so gut ins Ohr geht, fällt der Abstecher zu den Legenden von CLAWFINGER quer über’s Feld leider flach. Die Videos, die im Hintergrund flackern, reichen in ihrer Bandbreite von stimmungsvoll bis kitschig, eben genau passend zur Musik.

IN FLAMES, wenn eins noch an diesem Abend geht dann sind es die IN FLAMES – und wenn sie live auftreten, sowieso. Eine wahnsinnige Lichtinstallation wird einem hier geboten, sehr modern, hektische Videos und Grafik-Fetzen fliegen über die Leinwände und diversen Pfeiler, die die Bühne symmetrisch unterteilen. „My Sweet Shadow“ und „Pinball Map“, was für ein grandioser Start. Das immer noch berstend volle Infield rastet aus, „Cloud Connected“, gute Ansagen, gutes Stage Acting, super Sache. Einziger Schwachpunkt ist das in der Mitte des Sets platzierte „The Chosen Pessimist“, denn um ca. ein Uhr nachts pennt man zu den sphärischen Klängen, die das Tempo komplett rausnehmen, eher ein als alles andere. Gut, dass spätestens zwei Songs später mit „Only for the Weak“ alles vergeben und vergessen ist, hier gibt noch mal jeder alles. Auch der Rest des 16 Songs umfassenden Gigs lässt keine Müdigkeit mehr aufkommen.

Dafür kommt das Männchen mit dem Hammer unmittelbar nach diesem Highlight – die nur 15 Minuten Wartezeit auf GHOST sind eine harte Herausforderung! Allerdings haben sich dieser noch ziemlich viele Metal- (oder Pop-?!) Heads gestellt und lauschen den ersten Klängen von „Rats“ – zugegebenermaßen ein Hit. Hier habe ich mich aber dann doch entschlossen das Infield zu verlassen da ich fertig wie ein Brötchen bin und mache mich mit einem Bier in der Hand auf dem Weg zum Campingplatz. Kraft tanken für den 3 und letzten Tag beim Wacken Open Air.