Wacken Samstag

Samstag, 04.08.2018:

 

Nach einer kurzen Nacht folgt wieder ein langer Tag beim Wacken Open Air. Diesen fängt man wieder mit einem Frühstück bei Mutti an um sich auf den Tag vor zu bereiten oder man geht zum Metal Yoga. Komischer weise sind doch eine Menge Metalheads im „Welcome tot he Jungle“ Zelt, und das orgens um 11:00 Uhr. Dem um Ausgleich bemühten Metalhead wird hier, wie jeden Morgen um diese Zeit, die Gelegenheit gegeben, sich mal richtig zu erden – im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Gerät hier schnell zu einer Staubschlacht, und die verschwitzten Leiber ziert eine weitere Schicht heiliger Wacken-Erde. Es sieht schon ganz schön komisch aus wenn Metalheads mit freiem Oberkörper, kurzer Hose und in Springerstiefelkomische Übungen bestehend aus Aerobic und Yoga bestehen.  Auf der Bühne steht eine Front-Hopserin, die ihre Ansagen zu grölen versucht, was ihr mehr schlecht als recht gelingt. Zu Klängen von Metal-Klassikern aus allen Unter-Genres holen sich die Teilnehmer gediegen ihre Staublunge ab.

Da ich nicht weiter in der prallen Sonne stehen möchte schaue ich Bullhead City vorbei und schaue mir die LOVEBITES aus Japan an. Das ist eine reine Frauenband, die ihren Power Metal sehr technisch versiert präsentieren und die nicht kleine Menge an Zuschauern stark zu begeistern wissen. Die Sängerin tritt im weißen Hochzeitskleid auf die Bühne und bietet eine stark motivierte Show. Ihr Organ ist verdammt hoch und etwas quäkig, die Lautstärke der gesamten Band ist wahnsinnig hoch und es tut einem schon echt weh. Immerhin locken sie so von außen immer mehr Leute an, die sie frenetisch abfeiern. Allerdings fehlen mir irgendwie die wirklichen Hits, hängen bleiben tut erstmal nichts. Die Band ist vor allem aufgrund der Zusammenstellung und Herkunft eine Attraktion und irgendwie passt es, dass sie in dieser Art Zirkuszelt auftreten.

GOJIRA sind eine super Band, die ich bisher leider nicht so richtig verfolgt habe. Das, was ich von Platte gehört habe, hat mich immer überzeugt. Leider kann das Konzert mich heute aber nicht fesseln. Irgendwie ist mir der Sound zu undifferenziert und die Songs zünden bei mir nicht. Ich verpiesele mich in der Mitte des Sets allerdings lieber zur Louder Stage, wo DIE APOKALYPTISCHEN REITER auftreten. Man kann ihnen nicht absprechen, dass sie die Massen zu begeistern wissen, und der Frontmann ist auch wirklich sympathisch. Allerdings sind sowohl Show, als auch Musik einfach nicht mein Ding, ich werde nicht damit warm. Daher hält sich meine Begeisterung etwas in Grenzen, was den Fans vor der Bühne aber ganz anders geht. Hier wird eine ziemliche Party am Vorabend veranstaltet! Das Set dauert insgesamt 75 Minuten, genug Zeit, um Songs von jedem Album zu präsentieren und sich anständig abfeiern zu lassen.

Darin sind natürlich auch STEEL PANTHER ganz groß, die aus gutem Grund auf der Harder Stage auftreten. So viele nackte Brüste sieht man sonst nicht mal in El Arenal, und sie sind das zentrale Show-Element. Ansonsten wie immer jede Menge anzügliche und humoristische Ansagen unter der Gürtellinie, die man so oder so ähnlich schon 100 Mal gehört hat und die trotzdem nicht unlustiger werden – für mich jedenfalls. Man muss wahrscheinlich nur einfach genug gestrickt sein, um das hier genießen zu können, und das bin ich wohl. Musikalisch gibt es ein Highlight nach dem anderen, aber aufgrund der ausladenden Titten- und Laber-Elemente schaffen es nur ganze 12 Songs in die 75-

minütige Show. Schade finde ich dabei immer nur, dass das zweite Album „Balls Out“ aufgrund seiner Indizierung keine Berücksichtigung finden kann. Aber auch so ist die Party nicht zu stoppen, bei Hits wie „17 Girls In A Row“, „Community Property“ oder „Death To All But Metal“ bleibt kein Höschen trocken.

Danach geht es bestens aufgelegt zu ARCH ENEMY, die mit einem energetischen Set zu begeistern wissen. Die Band hat es einfach drauf, unglaublich geile Musiker, unglaublich geile Alben. Alyssa White-Gluz ist wie immer eine Augen- und Ohrenweide. Die Song-Auswahl ist sehr stark, no fillers. Da fällt es schwer, irgendetwas hervorzuheben. Nur bei „Nemesis“ kommt dann der obligatorische Gedanke: „Ach, die Angela Gossow war schon auch ’ne geile Sängerin“. Sie bleibt unvergessen und unerreicht, aber was Alyssa so abliefert, ist auch ganz weit vorne und überzeugt auf ganzer Linie.

DIMMU BORGIR hätten ebenfalls das Potential, hier richtig was zu reißen. Nicht wenige sind sehr gespannt auf das Konzert und erwarten ein bombastisches Live-Comeback in Wacken nach all den Jahren. Was hat die Band doch für super Songs, wahre Klassiker. Und wenn man schon so anfängt, ein Konzert zu beschreiben, dann dämmert es dem Leser wahrscheinlich, dass es leider ganz anders kommen sollte. Kein Song von „Stormblast“! Keiner von „Spiritual Black Dimensions“ und nur einer (!) von „Enthrone Darkness Triumphant“, und das ganz am Ende des Sets. Was für eine Enttäuschung! Stattdessen viel vom danach erschienenen, nicht nur von mir vielfach als Einheitsbrei empfundenen Material. So zieht sich das Set sehr zäh über die gesamte Spielzeit. Ich habe zeitweise wirklich Probleme, die Augen offen zu halten. Entsprechend verhalten fallen auch die Publikums-Reaktionen der anderen Zuschauer aus. Für mich ganz klar eine der großen Enttäuschungen des Festivals.

So für heute und für dieses Jahr habe ich genug. Ich sitze noch im Biergarten um das ein oder andere Bierchen zu trinken und um dann auf den Campinglatz zu gehen und mich aufs Ihr zu legen. 3 Tage sind mal wieder wie im Flug vergangen und man kann jetzt schon sagen, obwohl es sehr heiß und staubig war, freut man isch doch jetzt schon auf das nächste Jahr, denn es ist das 30 Jubiläum, eines Festivals was mal mit knapp 500 Leuten auf einer Wiese begann.