Blind Seer – Apocalypse 2.0

Wer den Begriff “experimentelles Metall” erschreckt hat und sich eine grobe, schwer zugängliche Genremischung mit Avantgarde-Features vorstellt, ist in den meisten Fällen richtig. Aber mit den Belgier Blind Seer sind die Dinge etwas anders. Obwohl sie auch Teil des experimentellen Genres sind, klingen sie nicht so chaotisch und verwirrt wie viele andere Akte dieses Genres.
Blind Seer verbindet mehrere Genres (Industrial, Prog, Alternative, etc …), aber sie schaffen es, organisch und strukturiert zu bleiben. Sie neigen auch dazu, melodisch zu sein und die Songs nicht zu überladen. Der Kontrabass und viele, meist abrupte, Tempowechsel sind ihre Markenzeichen. Darüber hinaus wird das klassische Schema “Vers – Chorus – Vers – Chor” meist abgeschafft, weil klassische Chöre weitgehend entbehrlich waren. Besonders bemerkenswert sind der “Deafening Silence”, “Sanctuary” und mit seiner düsteren Grundstimmung (teils fast schwarzem Metall), die “Schuld” hervorragend intoniert hat.
Blind Seer schafft es immer, den Zuhörer mit neuen Nuancen und Arrangements zu überraschen. Mit der Apocalypse 2.0 haben die Belgier ein sehr abwechslungsreiches und aufregendes Album, das niemals langweilig wird. Der einzige Nachteil: Die Gastmusiker (ua Johan Nuñez aus Firewind) sind nicht gut zu hören, also weißt du nicht, welche Tracks sie eigentlich spielen, und mit ‘My Mind Can not Feel’ gibt es ein Lied, das für viele Zuhörer Vermutlich wird auch abstrus und grob klingen. Ansonsten würde ich das Album den Metal-Fans mit einem Geschmack für die Exotik empfehlen. Endlich eine Band mit Mut zur ungewöhnlichen Klasse. 7,5 / 10

Tracklist:
1. Deafening Silence
2. Revolution
3. Total War
4. Apocalypse 2.0
5. Sanctuary
6. Guilt
7. Secrets Untold
8. Journey To The Unknown
9. Spirit In The Machine
10. My Mind Can’t Feel
11. Eternity
12. Starman (David Bowie Cover)