Pink Floyd – Delicate Sound of Thunder

Mit schöner Regelmäßigkeit veröffentlichen Pink Floyd Altes in neuem Gewand und das oftmals schön edel aufgemacht und mit Bonustracks versehen. Für Sammler ist das immer wieder eine finanzielle Herausforderung, denn die Boxen sind meist nicht gerade günstig. Diesmal ist die erste Liveplatte Pink Floyds aus dem Jahre 1988 dran. Sie erscheint in einer remasterten Version und beinhaltet je nach Kaufversion zusätzliche Songs, die auf der Originalen von 1988 nicht enthalten sind. Höre ich einen bzw. mehrere entrüstete Aufschreie? Zu recht. Zunächst ist es nicht die erste Livescheibe, denn die Doppel LP „Ummagumma“ beinhaltete bereits vier Livesongs. Somit gibt es bereits ein entsprechendes Live Werk, das aber vollkommen unzusammenhängend war. Und als Nächstes ist diese neue Version von Delicate Sound Of Thunder bereits im letzten Jahr auf der The Later Years Box erschienen. Also könnte man denken, da soll kurz vor Weihnachten noch mal Umsatz generiert werden. Das ist wohl auch richtig, betrifft dann aber nur die, die sich die Box letztes Jahr gegönnt haben. Für alle anderen ist das schon eine lohnende Ausgabe, denn hier wird das gesamte Konzert abgebildet.

In der damaligen Zeit bot das Konzert visuelle und akustische Genussmomente der Extraklasse. Da die Tour wegen der ersten Platte ohne Waters stattfand, sind natürlich viele Songs der A Momentary Lapse Of Reason Scheibe zu hören. Im zweiten Teil findet man dann Pink Floyd Klassiker. Aus der ganz frühen Phase, also vor The Dark Side Of The Moon, hat nur One Of These Days überdauert. Ansonsten sind neben Stücken von Wish You Were Here auch das fast komplette Dark Side Of The Moon Album enthalten. Wegen der Waterschen Rechte an The Wall, spielten Pink Floyd dann noch die von David Gilmour für The Wall komponierten Stücke und wie bei eigentlich jedem Konzert, egal ob Waters oder Gilmour, ist das unumstrittene Highlight Comfortably Numb. Gitarrenvirtuose Gilmour zeigt hier eindrucksvoll, was er auf seiner Fender kann und katapultiert sich mit diesem Solo hoch in den Himmel der besten Gitarristen der Welt. Wer das Stück nicht kennt, der sollte unbedingt ein Ohr und auch ein Auge riskieren. Die riesige runde Leinwand im Hintergrund, beleuchtet durch zig Scheinwerfer in allen Farben des Regenbogens, die Spots, die langsam von der Decke nach unten fahrende, sich wie eine Blume öffnende Glitzerkugel, die Laserstrahlen, die wie im schönsten Star Wars Film durch den Saal flackern – das alles macht die Faszination dieses Songs aus. Das ist allerhöchste Unterhaltung, auch wenn Kritiker das als zu gewaltig, pompös, nicht zeitgemäß und zu bombastisch darstellten. Aber genau auf diesen Moment richtet sich das Konzert aus und hinterlässt die Gänsehautmomente, die man nun immer wieder erleben kann. Mit Run Like Hell, in dem die gesamte Band zeigt, dass es auch schnell und sehr rockig gehen kann, wird das Konzert nochmals mit einem Lichtermeer beendet.

Nur ein paar Jahre später wurde nach der erfolgreichen Devision Bell Scheibe dies nochmals in ähnlicher Form bei der Pulse Tour gezeigt. Das Gigantomanische wurde noch mal zelebriert und ist, wie auch die „Delicate Sound Of Thunder“, der Ursprung des Stadion Rocks, der von vielen großen Bands kopiert wurde und wird. Wer sich nun berufen fühlt, die erneute Ausgabe der Platte zu erwerben, der hat die Qual der Wahl. Entweder die De Luxe Box, bestehend aus zwei CDs einer Blue Ray und einer DVD sowie einem Buch, Poster und Karten, einer 3 LPs umfassenden Vinylausgabe, einem Digipack mit zwei CDs oder einer einfachen CD. Sammler dürften zuschlagen und können sich ein tolles Weihnachtsgeschenk machen oder machen lassen.

FAZIT

Schön aufgemachte Box, die neben der The Later Years Box aber keine neuen Erkenntnisse mit sich bringt. Wer die Box bereits besitzt braucht die remasterte Delicate Sound Of Thunder nicht. Aber für die Vollständigkeit geht eigentlich kein Weg daran vorbei. Qualitativ hat die Aufnahme gewonnen und die zusätzlichen Tracks lassen die Scheibe um einiges an Wert gewinnen. Ich freu mich auf die visuellen Datenträger, denn die VHS-Kassette ist leider nicht mehr abspielbar und meine The Later Years Box steht ordnungsgemäß verschlossen im Schrank.

 

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – David Gilmour
Schlagzeug – Nick Mason

Gastmusiker:

Tasteninstrumente und Gesang – Rick Wright
Gitarre – Tim Renwick
Tasteninstrumente – Jon Karin
Bass – Guy Pratt
Percussions – Gary Wallis
Saxofon – Scott Page
Gesang – Margret Taylor
Gesang – Rachel Fury
Gesang – Durga Mc Broom

Tracklist:

CD 1

  1. Shine On You Crazy Diamond (Parts 1-5)
  2. Signs Of Live
  3. Learning To Fly
  4. Yet Another Movie
  5. Round And Round
  6. A New Machine Part 1
  7. Terminal Frost
  8. A New Machine Part 2
  9. Sorrow
  10. The Dogs Of War
  11. On The Turning Away

CD 2

  1. One Of These Days
  2. Time
  3. On The Run
  4. The Great Gig In The Sky
  5. Wish You Were Here
  6. Welcome To The Machine
  7. Us And Them
  8. Money
  9. Another Brick In The Wall Part 2
  10. Comfortably Numb
  11. One Slip
  12. Run Like Hell