Stengah – Soma Sema

Bereits 2013 in der historischen Stadt Lille in Frankreich gegründet, veröffentlichen die Tech-Metal-Mavericks STENGAH endlich ihr Debütalbum. Ihr Angebot mit dem Titel „Soma Sema“ soll am 18. März 2022 über die Mascot Label Group erscheinen. Wie nicht anders zu erwarten, stehen wir angesichts des Bandnamens, der dem Eröffnungstrack des 2002er MESHUGGAH-Austritts „Nothing“ huldigt, und des gelinde gesagt ziemlich kryptischen Albumtitels vor einer seltsamen Klangreise erhellend und brutal zugleich.

In der Biologie bezieht sich „Soma“ auf den Körper im Unterschied zu Seele, Geist oder Psyche. In der Linguistik ist „sema“ wiederum ein Substantiv, das für ein Zeichen steht, eine Bedeutungseinheit. Obwohl das Album nicht konzeptionell ist, nicht im Sinne von Prog-Dinosauriern, scheint es eine Art Unterströmung zu geben – die der Wiederverbindung mit sich selbst an der Schnittstelle, wo die spirituellen und physischen Bereiche zusammenbrechen und ineinander übergehen. Gefangen in der Zeitschleife dieser zehn neuen Songs, als wäre sie tief in düstere Träumereien des Wahnsinns versunken, zoomt die Band auf die verschiedenen Nuancen des Themas und deutet subtil an, dass echte Dunkelheit Liebe, Wut und Angst als Gesicht hat.

Mit dem kurzen, instrumentalen Intro-Track „Weavering“ setzt das Album seine unaufhaltsame Dynamik in Gang. Es schwingt mit der robusten Post-Metal-Atmosphäre vieler atmosphärischer Djent-Outfits mit, nur um von dem Track „At the Behest of Origins“ gefolgt zu werden, der Djenty-Polyrhythmen lediglich als Bezugspunkt verwendet und sich auf die etwas GOJIRA- wie ein leicht progressiver Tech-Metal-Crunch. Das ursprüngliche und viszerale Riffing unterstreicht sehr schön das lyrische Thema, das die Notwendigkeit betont, das giftige, emotionale Gepäck, das wir aus unserer Vergangenheit tragen, loszulassen.

Das Thema, dass wir von den Geistern unserer Kindheit heimgesucht werden, wird durch das Musikvideo zum Track „Above Humanity“ weiter betont. Die Protagonistin, eine junge Frau, wird von der Paralleldimensionsversion ihrer selbst heimgesucht, die als kindliche Darstellung eines Geistes inkarniert ist. Das ist pure Science-Fiction, aber es ist auch noch viel mehr. Das Lied scheint auf eine Art Umweg zu suggerieren, dass die Monster nicht unter deinem Bett schlafen – sie schlafen in deinem Kopf. Der Punkt wird ziemlich brillant von den hektischen Riffs, postrockigen Gitarren-Legatos und der brutal kraftvollen Gesangsdarbietung des Frontmanns Nicolas Queste unterstrichen. Unnötig zu erwähnen, dass es mich zwei Tracks tief im Album bereits überzeugt hat.

Stengah – He and the Sea (Official Music Video) – YouTube

Das Album zerquetscht dich abwechselnd mit aus dem Takt geratenen Groove-Metal-Riffs wie denen auf „Swoon“ und schlammigen Tech-Metal-Angriffen wie „Blank Masses Inheritance“ und macht Fortschritte mit akribischer Liebe zum Detail und Kohärenz. Gegen Ende spielen die Metal-Rüpel noch ein paar Überraschungs-Asse aus hochgekrempelten Ärmeln. „Er und das Meer“ ist eine traumhafte Erzählung, die auf dem Belle-Èpoque-Kinderbuch „La Mer et Lui“ von Henri Meunier und Régis Lejonc basiert.

Es ist eine Geschichte darüber, einen neuen Sinn im Leben zu finden, untermalt von den unerbittlichen, dampfrollenden Riffs der Band, die nichts weniger als modernste Tech-Metal-Perfektion widerspiegeln. Das tuckernde Riffing auf „The Overman“ wird schön ausbalanciert durch die ätherischen Saxophonmelodien und klaren Gesangspassagen, die schön an die italienischen Gloomster NOVEMBRE erinnern. Auf dem abschließenden Track „Offering“ ist der Eindruck sogar noch ausgeprägter, da der Song abwechselnd mit der Luft dieser Italiener und der etwas experimentelleren und progressiveren Seite von GOJIRA mitschwingt.

Ich hätte mir keinen besseren Abschluss für das Album vorstellen können! In einer Welt voller Chaos ist es praktisch unmöglich, von Zeit zu Zeit mit der dunkelsten Version von uns selbst zu kämpfen. Wann immer wir uns in solch einem düsteren Zustand befinden, gibt es keinen besseren Weg, die dunklen Wolken wegzuleiten, als uns auf ein bisschen brutale Erleuchtung einzulassen, die von diesen Franzosen bereitgestellt wird. Die Flucht aus dem Sog des Lebens muss nicht düster klingen.

Tracklist

  1. Weavering
  2. At the Behest of Origins
  3. Above Humanity
  4. Swoon
  5. Lumen
  6. Message in Memories
  7. Blank Masses Inheritance
  8. He and the Sea
  9. The Overman
  10. Offering

Lineup

Nicolas Queste – vocals

Eliott Williame – drums

Benoit Creteur – bass

Maxime Delassus – lead guitars

Alex Orta – rhythm guitars

Label

Mascot Label Group