Sticky Hickey – Witchdoctor

Fühlen wir doch eingangs den wichtigsten Namen hier mal auf die Fangzähne… Witchdoctors waren/sind Heiler von durch Hexenkunst entstandene Krankheiten. Und ein sticky hickey wäre entweder ein klebriger Knutschfleck. Oder ein klebriges Dingsbums. Als spontan zum Knutschen und dabei lange anhaftend erweist sich auch das Debütalbum dieser bemerkenswert zusammengesetzten Formation. Rezensent ist normalerweise bekennender Rap-Flüchter. Aber der (nur taktweise, dann aber mit authentischem Jahmeycaaaah-Akzent) angerappte Gesang von Sänger Pablo passt auf Stücken wie dem Titelstück mit seinen rattenscharfen Bläsersätzen (Arrangements von Til Schneider) einfach großartig zu dieser elektrisierenden Mixtur aus Oldschool Funk und Reggae.

The Witchdoctor Experience | A short introduction to Sticky Hickey – YouTube

Das umweltbewegte und sozialkritische ‚Pilgrims of Tomorrowland‘ legt bei reduziertem Tempo sogar noch eine Schüppe Energie drauf. Spätestens ‚Ocean Call‘ macht den Stellenwert der E-Gitarre für diese in der Hinsicht wunderbaren Musik deutlich. Da darf in Minute 1 schon mal das erste (hörenswerte) Gitarrensolo kommen, das von seinem Geschwister zum Song-Ende sogar noch übertroffen wird.

Auf ‚Europe‘ treten Funk, Reggae und Rap ganz in den Hintergrund – das ist epischer, bluesiger (Hard-) Rock der unpeinlichen und Hammond-getriebenen Sorte. Damit sollten also eigentlich auch Fans der Legenden mit Prog-Ritterschlag Colosseum Spaß haben können.

‚All Everybody‘ – der Rap ist zurück, gepaart mit einem derart „sticky“ Refrain, das man sich das Ding geradezu im Radio vorstellen kann – oder möchte. Doch dafür ist vermutlich das hiesige Gitarrensolo wieder zu rockig. Und zu geil.

‚Livin‘ The Past‘ ist zwar (noch) nicht Rage Against The Machine, markiert aber für die Hickeys ihren bisherigen Härte-Höhepunkt. Doch lieber eine Ballade? Here you are, Dear: für ‚Marie-Jeanne‘ tut’s die Truppe auch mit Samthandschuhen.

Apropos – damit man das Ende des Albums überhaupt verkraften kann, klingt es mit ‚All In‘ sowie einer Unplugged-Version von ‚Europe‘ sanft-akustisch aus.

Obwohl in jedem Absatz dieses Versuches einer Beschreibung „Old School“ hätte vorkommen können, ist die Musik in dieser Kombination originell, packend, heiß. Als träfe Jaya The Cat auf Lin-Manuel Miranda, um über Scäm-Luiz-Songs zu jammen.

Bewertung: 12/15 Punkten

Besetzung:
Christian Dellacher – Hammond
Sina Döring – Drums (u.a. Ian PaiceBrian May)
Sebastian „Grab“ Gruber – Guitars
Jan Niemeyer – Percussions
Pablo Schallenberg – Vocals
Moritz Schuster – Flute
Ufo Walter – Bass (u.a. Alex Oriental Experience, Buddy Miles, Embryo, Randy Hansen und Helge Schneider)