Etta James – The Montreux Years

Etta James: The Montreux Years dokumentiert Konzertaufzeichnungen (1977-1993). James’ zeitlose Klassiker, elektrisierende Performances mit ihrem unverkennbaren, rohen, aufsteigenden Gesang werden wie Rauch in einer Flasche eingefangen. Sie umfassen 3 Jahrzehnte Auftritte in der Schweiz. Etta entfesselt ihr fesselndes Schaufenster in einem Programm, das eine Flutwelle nach der anderen ist.

Wie Elvis Presley war Etta eine echte Powerhouse-Performerin, die wusste, wie man Songs, die sie nicht geschrieben hatte, interpretierte und neu interpretierte und sie ausdrucksstark zu ihren eigenen machte. CD 1 beginnt mit Ettas befehlender Stimme, die mit Textur, Kraft und ausgewogenem zwischen ruppigen und seidigen Tönen auf „Breakin’ Up Somebody’s Home“ getönt ist.

Dies zeigt The Roots Band im Juli 1990. Dann zurück ins Jahr 1989, wo Etta das Haus mit der exzellenten Otis Redding-Komposition „I Got the Will“ rockt.

Im Vergleich zu Nina Simone kann ich nur sagen, dass Etta eine etwas fröhlichere, weniger verächtliche Stimme hat. Es wäre schön gewesen, beide Damen zusammen singen und lächeln zu hören. Der Kontrast wäre aufschlussreich gewesen. „Damn Your Eyes“ – dramatischer.

Während Simone sich darauf konzentrierte zu predigen, zu schimpfen & ein bisschen verbittert zu sein (& vielleicht so), kam Etta einfach heraus, mit beiden Fäusten und rhythmischen Schwingungen ins Gesicht. Cut 5 Excellence fließt aus ihrem klassischen, horngetriebenen „Tell Mama“ aus dem Jahr 1977 (mit der deutschen Saxophonlegende Klaus Doldinger, Gründungsmitglied von Passport).

Die Live-Aufnahmen haben alle tolle Arrangements. Etta ist von Cut 5 bis Track 12 belebend und lässt nie nach (das großartige Jimmy Reed-Cover von „Baby What Do You Want Me To Do“ zeigt Festivalgründer, den verstorbenen Claude Nobs an der Mundharmonika). Alles ist feurig („I Sing the Blues For You“), heiß („Come To Mama“), unterhaltsam und vor allem temporeich. Nicht zu vergessen, die Sequenz kann Jahre auseinander liegen. CD 1 = 1 Stunde 17 Minuten & CD 2 – komplett aufgenommen im Casino Montreux am 11. Juli 1975.

Es enthält 9 glühende Blues/Soul-Cover wie „Respect Yourself“, „Drown In My Own Tears“, „Dust My Broom“, „ Rock Me Baby“ und „Stormy Monday“ unter anderem. Alles arrangiert und mit schweren Maschinen durchgeführt. Es ist nicht zu leugnen, dass Etta James eine faszinierende, zentrale Darstellerin war. Meine Etta James-Plattenvorstellung war rein zufällig. Als ich 10 Jahre alt war, kaufte ich eine Argo 45 U/min Single für 10 Cent in einem Secondhandladen der frühen 60er Jahre.

Habe es mit meinem Tom Jones-Shirt, Elmer’s Glue & 12er-Pack Milk Duds kombiniert. Ich fand es interessant: „Dream“ und „Dummkopf, der ich bin“ auf der anderen Seite. Soweit ich mich erinnere, war das zumindest meine private Einführung in Blues/Jazz/R&B. Ich habe später mehr Etta James gekauft. Dann ging ich zu Billie Holiday (mein Onkel gab mir ihre 78er), dann zu Timi Yuro, Carmen McRae & Dinah Washington (danke Brook Benton). Von Ella Fitzgerald & Lena Horne war ich noch nicht begeistert.

Aber ich brauchte etwas Fleischigeres als Lesley Gore & Connie Francis. Weitere Musiker sind auf der CD-Beilage aufgeführt. Bemerkenswerte Namen aus dem Jahr 1977 waren Rick Wakeman (Keyboards), David „Fathead“ Newman (Sax), Richard Tee (Keyboards), Steve Ferrone (Schlagzeug) und viele andere. Kritik? Wie bei der Nina Simone CD ist das Paket-Interieur anspruchsvoll & ansprechend gestaltet. Aber die Titelseite entspricht nicht den Jazzstandards. Dies ist ein karikaturhaftes psychedelisches Sammelsurium. Etta hat Besseres verdient.