Gilbert O’Sullivan – Driven

Hört man den Namen GILBERT O’SULLIVAN, dann kann man sich nach so vielen Jahren musikalischer Aktivität – ja, es sind bereits insgesamt 55 Jahre – sicher sein, was man von dem nunmehr schon mit seinen 76 Jahren recht alten, aber als Musiker noch immer ungeheuer jung erscheinenden Mann geboten bekommt. Pop-Musik im besten Sixties- und Seventies-Sinne, die sich an AL STEWART sowie den BEATLES und speziell den WINGS oder noch spezieller PAUL McCARTNEY orientiert und dabei immer wieder gut abschneidet. Für O’Sullivan jedenfalls gilt auch nach über einem halben Musik-Jahrhundert: „Keine Experimente!“ bzw. „Musik-Schuster bleib bei deinen Noten-Leisten!“

Das bedeutet nun zweierlei: Auf der einen Seite ist es nicht unbedingt überraschend, was der Künstler hier abliefert, auf der anderen Seite geschieht dies dafür anhaltend auf einem hohen qualitativen Niveau. Das macht schon der Opener Love Casualty klar, der mit entspanntem Gitarrenspiel nach vorne geht, einen mitwippen lässt und dazu parallel wie aus einer anderen Zeit und doch zeitlos klingt. Was bereits ein wichtiger Aspekt des Albums ist: Es mag zeitlich teilweise entrückt wirken, aber es klingt dennoch frisch und passt dabei gut ins Hier und Jetzt. So auch das darauf folgende Blue Anchor Bay, das mit Melancholie vom Piano agiert, aber doch positiv gestimmt klingt – so ein bisschen wie Gefühl, das einen beim Kramen in alten Fotokisten überkommt.

Überhaupt drehen sich viele der insgesamt 13 Songs auf „Driven“ um moralische Grundsätze und die Menschlichkeit als solche, indem zwar die Möglichkeiten hierfür aufgezeigt, aber nicht die moralinsaure Hau-drauf-Keule herausgeholt wird. O’Sullivan geht’s um Mitgefühl und Gemeinschaft, nicht um Ausgrenzung und wütenden Frustabbau.

Da dürfen dann gerne auch mal Streicher („If Only Love Had Ears“) oder eine Posaune („Blue Anchor Bay“) mit ins Spiel kommen und Hammond Orgel oder andere Vintage-Tasteninstrumente viel Wärme in den Sound des irischen Songwriters bringen, wenn er beispielsweise in einem seiner Songs, fast einem PAUL McCARTNEY zum Verwechseln ähnlich, darum bittet: „Let Me Know“.

Doch es geht nicht nur farbenfroh und gutgelaunt in den Song des aktuellen Albums zu. Besonders auffällig ist hierbei die dunkelste Nummer auf „Driven“: „Back And Forth“. Als Inspiration diente O’Sullivan ein Zeitungsartikel, den er sich ausgeschnitten und neben sein Klavier, an dem er komponierte, gehängt hatte und in dem es um ein schwarzes Pärchen geht, das nur aufgrund ihrer Hautfarbe im Westen von London in ihrem Auto angehalten und kontrolliert worden war. Noch komplexer aber geht es in „Hey Man“ zu, das die unterschiedlichen Momentaufnahmen entscheidender Augenblicke im Leben von vier verschiedenen Personen aufzeigt, beginnend mit einem Krebspatienten, der seine Testergebnisse erwartet, und endend mit einem Autodieb, der kurz davor steht, jemanden unglücklich zu machen oder sich selbst zu schaden, wenn er erwischt wird. Allen hier Besungenen ist die Erkenntnis gemein, dass nach diesen besonderen Momenten ihr Leben eine völlig neue Wendung nehmen wird. Textlich, aber auch musikalisch ein echtes Meisterwerk.

Tracklist:

  • Seite A (20:50):
  • Love Casualty (3:45)
  • Blue Anchor Bay (3:43)
  • Let Bygones Be Bygones (feat. Mick Hucknall) (3:19)
  • Body And Mind (3:48)
  • What Are You Waiting For? (3:18)
  • Let Me Know (2:57)
  • Seite B (23:20):
  • Take Love (feat. KT Tunstall) (3:11)
  • Back And Forth (3:42)
  • If Only Love Had Ears (3:50)
  • You Can’t Say I Didn’t Try (3:19)
  • You And Me Babe (3:25)
  • Hey Man (3:01)
  • Don’t Get Under Each Other’s Skin (2:52)