Heavy Water – Red Brick City

Die leidige Zwangspause in der Corona-Pandemie hat Biff Byford gleich für zwei interessante Vorhaben genutzt. Das Cover-Album mit seiner angestammten Band Saxon zeigt neue musikalische Möglichkeiten auf. Gemeinsam mit seinem Sohn Sebastian (23, Künstlername Seb Byford) hat er darüber hinaus Heavy Water ins Leben gerufen.

Beide nennen es ihr eigenes Lockdown-Projekt. „Red Brick City“ ist das Debütalbum von Heavy Water. Gesanglich drücken Vater und Sohn der Musik ihren Stempel auf. Beim Hören erkennen wir jedoch eine homogene, energiegeladene Band, die uns zeigt, welche Kunst in schwierigen Zeiten in den allerschönsten Farben gedeihen kann.

Entstanden ist aus der Feder von Seb und Biff Byford ein Kaleidoskop mit zehn Titeln, die stilistisch so breit angelegt sind, dass mindestens 40 Jahre Rockmusik darin abgebildet werden können.

Der Opener mit satten Bassläufen, gespielt von Biff Byford, erinnert mich an die frühen Black Sabbath. Der Titelsong „Red Brick City“ knüpft daran klanglich an. Wer aber am Beginn des Albums ausschließlich einen Reigen aus dem Genre Heavy Metal vermutet, liegt falsch. Die kreativen Köpfe aus dem Haus Byford lassen sich nicht festlegen und variieren mit ihren Bandkollegen Tom Witts (Schlagzeug) und Dave Kemp (Keyboards und Saxophone) munter drauf los.

Mit Tom Witts hatte Byford Junior 2015 eine eigene Band mit Namen Naked Six gegründet. Sie wurden inspiriert durch Queens Of The Stone Age, Radiohead, SoundgardenBob Dylan, Leonard Cohen und Led Zeppelin. Der Fokus der jungen Musiker lag außerdem stark auf dem Grunge. Grunge stammt aus den 1990er Jahren und wurde auch Seattle-Sound genannt. Die Musik steht in erster Linie für das Verschmelzen von Punk Rock und Heavy Metal.

Diese Einflüsse finden sich deutlich hörbar auch auf „Red Brick City“. So wird jeder Musikliebhaber nach Interessenlage stilistisch Passagen heraus hören, die ihn an eigene persönliche Favoriten erinnern.

Den Bogen könnte man über Mr. Big („Now I’m Home“) bis zu Bryan Adams in Ansätzen bei „Faith“ spannen. Beim abschließenden „Faith“ stecken sogar Funk und Soul in der Musik. Das Keyboard unterstreicht den stilistisch breiten Ansatz. Bei „Follow This Moment“ sorgt das Saxophon für den überraschenden Moment. „Medicine Man“ ist fast schon ein traditioneller Blues. Höhepunkt für mich ist „Tree In The Wind“. Eine Keyboard-Passage leitet die Ballade ein, die sich emotional als Gänsehauterlebnis entpuppt. Das Duett der Familienmitglieder ist nicht kitschig; das Lied geht ins Mark und zeigt uns, welche Energie über zehn Titel in einem solchen Familienprojekt stecken kann.

Teilt man „Red Brick City“ gedanklich in zwei Hälften, so widmet sich der erste Teil den Hörgewohnheiten Heavy Metal, ehe sich anschließend mehr und mehr die Vielfalt der Rockmusik mit all ihren Einflüssen präsentiert.

„Red Brick City“ ist bodenständige Rockmusik ohne Schnörkel. Von einem Debütalbum ist beim Hören allerdings nichts zu merken. Die bereits angesprochene stilistische Vielfalt des Projektes verleiht dem ehrgeizigen Album ein Alleinstellungsmerkmal.

Nichts haben die Komponisten und Produzenten Seb und Biff Byford dem Zufall überlassen. Das Werk wurde von Seb Byford in York (Großbritannien) im Studio Big Silver Barn aufgenommen. Beim Einspielen der Drums saß Ben Hammond im Reel Recording Studio, ebenfalls in York, am Mixer. Für den Feinschliff und das Mastering sorgte der Berliner Reinhard ‚Jacky‘ Lehmann (Audiosound Lehmann), dessen Handschrift bereits zahlreiche Saxon-Alben prägte. Das Artwork der Platte schuf Enrique Zabala, die Fotografien im Innenteil der CD stammen von Steph Byford.

Hier gibt es 8 von 10 Punkten

Tracklist „Red Brick City“:

  1. Solution
  2. Turn To Black
  3. Red Brick City
  4. Tree In The Wind
  5. Revolution
  6. Personal Issue No. 1
  7. Medicine Man
  8. Follow This Moment
  9. Now I’m Home
  10. Faith