
Eine Selbstverständlichkeit ist neue Musik von Masters of Reality noch nie gewesen: Für ihre ersten sechs Alben brauchte die Band um Chris Goss fast 30 Jahre. Und dass über 15 Jahre nach „Pine / Cross Dover“ überhaupt nochmal ein neuer Longplayer erscheint, davon konnte nun wirklich niemand ausgehen. Doch plötzlich ist „The Archer“ da — und er trifft voll ins Schwarze.
Das Album beginnt mit dem ruhigen Titelsong und setzt damit auch den Ton für das, was folgt: Zwar gibt es rockige Momente, zwar gibt es groovige Momente — ganz besonders toll: „Mr. Tap ’n‘ Go“. Aber alles in allem handelt es sich um ein Album der leisen Töne. Das mag erstmal enttäuschend klingen für Leute, die auf ein zweites „Deep in the Hole“ hofften. Beim Hinhören zeigt sich aber, dass Goss uns auf seine älteren Tage noch einmal neun Song gewordene Diamanten mit sehr viel songwriterischem Schliff kredenzt.
Mir persönlich besonders angetan hat es das recht flotte, leicht hypnotische „I Had a Dream“, das mich so um den Finger wickelt, als wäre ich frisch verliebt, das mit geradezu himmlischen Streichern versehene „Sugar“ sowie das meisterlich komponierte „It All Comes Back to You“: Das Stück beginnt mystisch, latent bedrohlich, baut in der Bridge einiges an Druck auf, gipfelt dann aber in einem Refrain, dessen erlösende Gesangsmelodie einer köstlichen Extase gleichkommt — alles wird gut.
Von mir gibt’s 8 von 10 Punkten.
Tracks:
01 The Archer
02 I Had A Dream
03 Chicken Little
04 Mr. Tap n‘ Go
05 Barstow
06 Sugar
07 Powder Man
08 It All Comes Back To You
09 Bible Head