Mötley Crüe – Theatre of Pain

Das 1985 erschienene Album „Theatre of Pain“, Mötley Crües drittes Werk, wurde wohl durch Vince Neils vorherige Verhaftung wegen Trunkenheit am Steuer und den fahrlässigen Tod von Nicholas „Razzle“ Dingley, dem Schlagzeuger von Hanoi Rocks, überschattet. Obwohl dieses tragische Ereignis beinahe das abrupte Ende von Mötley Crüe bedeutet hätte, wurde „Theatre of Pain“ letztendlich Razzles Andenken gewidmet und ist eine würdige Hommage. Obwohl die Reaktionen von Kritikern und Fans auf „Theatre of Pain“ gemischt ausfielen und es sich besser verkaufte als die vorherigen Alben von Mötley Crüe, hat es sich im Laufe der Zeit gut gehalten. Mit seinem Mix aus Pop und Rock und einer ordentlichen Portion Glam-Rock-Einflüssen wirkt das Album frisch und zeitlos, obwohl es die damalige Zeit widerspiegelt. Hinzu kommen die rohe Energie, die professionelle Produktion und der radiotaugliche Sound – das Ergebnis ist ein Pop-Metal-Album, das sowohl für Fans als auch für Neueinsteiger ein absolutes Muss ist.

Was die Klangqualität angeht: Obwohl ich leider noch keine physische Version dieses Klassikers gehört habe, ist der verlustfreie Apple Music-Stream überraschend gut gemastert – insbesondere, wenn man bedenkt, dass es sich nicht um ein Apple Digital Master handelt. Es gibt keine Hörermüdung und keine nennenswerten Mängel, die den Hörgenuss trüben würden. Die Klangbühne ist klar definiert und umhüllt den Hörer vollständig, unabhängig von der Lautstärke. Das Ergebnis dieser ausgewogenen Präsentation ist ein authentisches Mötley Crüe-Erlebnis, das von Anfang bis Ende begeistert.

„City Boy Blues“ eröffnet das Album mit einem Hardrock-Blues-Song. Mick Mars liefert ein meisterhaftes, raues Gitarrenriff, während Vince Neils rauchige Stimme perfekt mit dem soliden Schlagzeug-Backing harmoniert. Das Ergebnis: „City Boy Blues“ ist ein gelungener Opener und eine passende Einleitung zum Album.

„Smokin’ In The Boys Room“ ist eine solide Interpretation des Originals von Brownsville Station. Je nach Geschmack mag man das Original dieser Interpretation vorziehen oder umgekehrt. Sicher ist jedoch, dass Mötley Crüe dem Song ihren typischen Swagger und Glam-Metal-Stil verliehen und ihn zu ihrem eigenen gemacht haben.

„Louder Than Hell“ ist einer der härtesten Songs auf „Theatre Of Pain“. Sein treibendes Riff, der hymnische Refrain und der gesamte Stil erinnern an den früheren Sound der Band. Die hohe Produktionsqualität sorgt sicherlich dafür, dass der Song heraussticht, aber wenn man die Intensität von Mars‘ mitreißendem Gitarrenspiel und Tommy Lees donnerndem Schlagzeugspiel bedenkt, besteht kaum ein Zweifel daran, warum dies einer der größten Songs ist, die Mötley Crüe je aufgenommen hat.

„Keep Your Eye On The Money“ geht nahtlos in „Louder Than Hell“ über, und obwohl es ein Ohrwurm ist, wirkt der Text etwas kitschig. Ja, Mars‘ Gitarrenlicks stehlen wieder einmal die Show, ebenso wie Lees treibendes Schlagzeugspiel und Nikki Sixx‘ rhythmisch präsente Basslinien, aber es ist kein herausragender Song.

„Home Sweet Home“ zählt zu den größten Powerballaden aller Zeiten und ist typisch Mötley Crüe. Während manche vielleicht bedauern, dass ihre geliebten Hardrocker nun ihre sanftere Seite zeigen, beschritt „Home Sweet Home“ letztendlich neue Wege und inspirierte andere Glam-Metal-Bands, ebenfalls eine Powerballade aufzunehmen. Als Fan von Powerballaden kann ich nur sagen: Danke, Mötley Crüe!

„Tonight (We Need A Lover)“ ist ein energiegeladener Rocksong mit eingängigen Melodien. „Tonight (We Need A Lover)“ fängt die rohe und kompromisslose Attitüde ein, die Mötley Crüe auszeichnet, und ist nicht nur ein großartiger Rock’n’Roll-Song, sondern ein wahres Glam-Rock-Meisterwerk.

„Use It Or Lose It“ ist ein temporeicher und aggressiver Song mit einem Hauch Punk. Lees unerbittliches Schlagzeugspiel und Mars‘ unglaubliche Gitarrenlicks stehen im Mittelpunkt dieses absoluten Krachers. Mötley Crüe sollte man zwar immer in ohrenbetäubender Lautstärke hören, aber dieser Song entfaltet seine volle Wirkung, je lauter man ihn hört.

„Save Our Souls“ ist ein düsterer und grüblerischer Song, der perfekt zu Mötley Crüe passt. Doch erst die bluesbasierte Rock-Stimmung macht ihn wirklich außergewöhnlich und zu einer der atmosphärischsten Aufnahmen des Albums.

„Raise Your Hands To Rock“ ist ein mitreißender, hymnenhafter Rocker. Auch wenn der Text etwas banal ist, machen die Energie des Songs und der eingängige Refrain ihn zu einer fantastischen Ergänzung des Albums und zu einem idealen Live-Song.

„Fight For Your Rights“ beschließt das Album mit einem trotzigen Ausruf. Die rauen Riffs und der treibende Rhythmus erzeugen ein Gefühl der Dringlichkeit, während Neils leidenschaftlicher Gesang die Botschaft mit Überzeugung vermittelt. Es ist einmal mehr Mars‘ Gitarrensolo, das diesen Song unvergesslich macht; einen, der einen immer wieder zum Album zurückkehren lässt.

Insgesamt ist „Theatre of Pain“ ein herausragendes Album in der beeindruckenden Karriere von Mötley Crüe und gehört in jede Musiksammlung. Auch wenn es nicht die Aggressivität von „Shout At The Devil“ und die Geschlossenheit von „Dr. Feelgood“ erreicht, wäre es kurzsichtig, dieses Album zu ignorieren, denn die zahlreichen Höhepunkte überwiegen die Schwächen bei Weitem.

01. City Boy Blues
02. Smokin’ In The Boys Room
03. Louder Than Hell
04. Keep Your Eye On The Money
05. Home Sweet Home
1. Tonight (We Need A Lover)
02. Use It Or Lose It
03. Save Our Souls
04. Raise Your Hands To Rock
05. Fight For Your Right