Wacken Open Air Donnerstag 30.07.2025

Wer am Vortag den DJ Klängen bis 3 Uhr nachts gelauscht hat, dem dürfte es etwas schwerfallen, um 11 Uhr die erste Band namens „Panchabhuta“ (als Siegerband des Metal Battle 2024 aus Indien) zu sehen, aber es gibt ja noch genügend andere, an diesem ehemals Bonustag des Wacken Open Air.

Prong haben auf der Louder Stage ihr Programm rund um die Scheibe „Cleansing“ gestrickt, sicherlich ihre erfolgreichste Scheibe mit dem von Tanzflächen bekannten „Snap Your Fingers, Snap Your Neck“. Tommy Victor ist begeistert vom Zuspruch, nicht verwunderlich, da der spät zum Vater gewordene Frontman sicherlich auch wegen der allseits gestiegenen Kosten nicht mehr oft auf der Bühne steht, vor allem in Europa. „Did you forget, California bring the sun“ sind die ersten Worte von Sänger Whitfield. Und ja, es gibt tatsächlich nur Sonne während dem Auftritt von Ugly Kid Joe. Und Hände, viele Hände und das immer wieder. Denn der werte Herr fordert so ziemlich alle 30 Sekunden, wenn er nicht gerade singt, dazu auf, diese in die Höhe zu heben und entweder zu klatschen, oder zu schwenken oder einfach nur so hoch zu halten. Viele Songs vom „Americas Least Wanted“ Album, natürlich auch die Katzen in der Wiege und „Everything About You“, sehr guter Gesang, aber leider etwas zu wenig Dynamik. Für einen angenehmen Nachmittag reichts aber. Und da Mr. Crane auf der Single von „Born To Raise Hell“ im Duett mit Mr. Kilmister gesungen hat, geht das Abschlusscover „Ace Of Spades“ vollkommen in Ordnung.

Ein Ausreiser darfs immer mal sein, dieses Jahr dann eben BAP. Das ist ziemlich authentisch, was die alten Herren da abliefern, das ist etwas rockig und auf jeden Fall erdiger als Santiano. Die Böhsen Onkelz haben die altbekannten Töne von „Verdamp lang her“ ja schließlich vor Jahren in einem anderen Song auch schon nach Wacken gebracht. Also zwar irgendwie seltsam, aber nicht unangebracht, was die Kölschies da veranstalte und mit einem eigens kreierten BAP/Wacken/Zeitreise Shirt kommt das allemal sympathisch rüber.

Alles andere als unangebracht sind Grave Digger. Allerdings: Was sich vor vielen vielen Jahren mal zugetragen hat und in einem mega Abschluss gipfelte lässt sich nun mal nicht so einfach wiederholen. Und auch wenn mit Tobias Kersting frisches Blut in die Band wanderte, irgendwie fehlt der Druck, die Power. Positiv hingegen: Chris singt wieder alleine und lässt den Jungspund an den Backings weg. Hat sich vielleicht etwas von Rob Halford abgeschaut und merkt, dass es auch im Alter geht? Wer weiß, cool auf jeden Fall, dass Uwe Lullis als zweiter Gitarrist für „Rebellion“ vorbeischaut, schließlich hat der Mensch diesen Hammer Song auch geschrieben. Und auch irgendwie putzig, dass Herr Boltendahl seinen Sohn mitsingen lässt, der anfangs sichtlich nervös ist, dann aber gut die Kurve kriegt. Also nice und solide, aber es war halt auch mal weitaus krasser.

Vor einigen Jahren war Crossover der heiße Scheiss, bis er in der Versenkung verschwand und jetzt wieder ausgegraben wird. Retro muss ja nicht immer so schlecht sein wie Vokuhila oder Schnauzbart. Clawfinger beweisen dies und feuern einen Hit nach dem nächsten, spielen aber auch einen gut eingereihten neuen Song namens „Ball & Chain“ und beschließen mit „Do What I Say“ ein Set, nicht nur für Kinder der 90iger. Macabre verwundern dann doch, ballern mit ordenltlich Death Metal los, lassen dann einene maskierten Menschen über die Bühne laufen der Bonbons oder so ins Publikum wirft und spielen zu BlastBeats irgendwelche Kinderrefrains. Fans der Band dürften das Kennen, alle anderen dürften zwischen Staunen und Lachen hin und her pendeln. Zum Schluß kommt „Ed Gein“ und wirft Gemüse ins Publikum. Jo, watt soll man sagen?

Bei Michael Schenker, dem Typ mit dem russischen Pelzhut, verneigen sich ja nicht nur die Fans, sondern auch ewig viele Musiker. Mag man von seinen Interviews und seinem Gehabe halten was man will, Musiktechnisch hat er eine Menge Ikonen inspiriert. Merkt man ziemlich schnell, wenn zunächst „Doctor Doctor“ gespielt wird, der seit Ewigkeiten als Intro zu Iron Maiden Gigs läuft und danach „Mother Mary“ ein gewisser Herr Slash sich auf die Bühne gesellt, um ein Gastspiel zu geben. Schon eine ziemlich exklusive Show kann man sagen. Es ist schon erstaunlich, wie gut durchmischt das Wacken mittlerweile bei seinen Musikstilen ist. Gut, bei über 200 Bands vielleicht nicht ganz so schwer, aber doch cool, dass irgendwie jedes Genre bedient wird. So kommen also Nu Metal/Crossover Fans bei Static-X auf ihre Kosten, die zwar ihren Ur-Sänger verloren haben, der durchaus sehr markant war, mit ihrem neuen Sänger inklusive Halbmaske aber fast noch intensiver daherkommen. Es regnet tatsächlich mal nicht, demensprechend gut gelaunt sind die Fans und es gibt auch ein paar Crowdsurfer. Generell gab es von dieser Spezies wahrscheinlich noch nie so wenig wie in diesem Jahr.

Viel ist zu lesen über den Auftritt der Gunners. Viel ist generell im Internet zu lesen. Von Flugzeugen die in die Luft pupsen, von Aliens die Pyramiden bauen (bzw. dafür Dinosaurier einspannen) oder von Verschwörungen, über die nur die obere Elite und einige ganz gewiefte Facebook Leser Bescheid wissen. Aber was taten denn Guns N‘ Roses wirklich in Wacken? Nun, sie spielten die längste Headliner Show, die das Festival je gesehen hat: 3,5 Stunden. Fakt. Der Sound? Nicht wirklich doll, auf jeden Fall zu leise. Harmonierte deren Analog mit neuester Technik dort nicht? Kann man vermuten. Dauerhaftes Piepen? Mag sein, aber wahrscheinlich eher dem eigenen Tinitus geschuldet den man natürlich besser wahrnimmt, wenns eben sonst rundherum nicht so laut ist. Axels Stimme? Nicht mehr wie in den Neunzigern, weit entfernt von Fake Videos die ihn gern als Mickey Mouse darstellen. Eine Setlist von, bis und durch alle Phasen hinweg? Auf jeden Fall! Eine agile und bestens eingespielte Band? Hundertprozent.

Was auf jeden Fall passiert ist, der Wechsel zu Ministry. Denn die sind ja laut eigener Aussage auch schon wieder dabei aufzuhören (mehrmals aufhören ist richtig in heutzutage, ist ja auch cooler, kann man öfter feiern). Schön per Licht und Leinwand in Szene gesetzt, geile Songauswahl, aber leider kein richtiger Wahnsinn, keine ultra Brachialität wie 2006, keine speziellen Ansagen. Was bleibt ist ein guter Auftritt, aber kein spezieller. Dafür bleibt noch Zeit für 30 Minuten Guns. Und es kann bestätigt werden, der Sound ist vorne genauso leise wie hinten vor den Schleusen. Aber dennoch, Respekt vor dieser Länge. Während andere Bands (hat jemand Halo Effect gesagt?) mal schnell technische Probleme vorgaukeln um nicht pünktlich auf die Bühne zu müssen, dafür aber 10 Minuten früher aufhören und so 90 auf 70 Minuten kürzen, spielen diese ex-Junkies für 3 Bands. Internetnörgler, bitte einfach das nächste Mal das Riesenrad auf Wacken besuchen, ok?

Benediction rumpeln derweil auf der Headbanger alle Death-Banger in den 7. Himmel, die Band freut sich en Ast, die Fans auch. Die Engländer können sich das grinsen beim Anblick der im Matsch durchdrehenden Fans kaum verkneifen nur Sänger Dave übertreibt es ganz dezent, zwischen allen Songs, vorm Abschlussfoto und vielleicht sogar während dem die Fans mit „Ozzy Ozzy“ Aufrufen zu motivieren. Ja, Ozzy is Dead, aber Benediction spielten gerade und die Fans davor wollten eben diese Band sehen und nicht ständig einem anderen Sänger hinterher rufen.