
Dafür war die Nacht kurz genug. Willkommen im August, willkommen zum vorletzten Tag in Wacken. Man darf vorsichtig die Prognose stellen, wer sich um 11 Uhr morgens Heavysaurus gibt, der hat nicht bis 3 Uhr nachts vor selbiger Bühne gestanden. Und wenn doch, herzlichen Glückwunsch und die kurze Nachfrage: waren die Dinos noch Farbenprächtig oder wie sieht das dann so aus?
Wenn jemand irgendwann in diesem Text was von Agenturen usw vernommen hat, dann kann er beruhigt die Band Dominum hier miteinschließen. Wie und warum gegründet dürfte egal sein, Powermetal als (Wer)Wölfe funktioniert, warum also nicht Powermetal als Zombies? Richtig originell, richtig exklusiv. Nein? Egal, es kommt an, zunächst eine Tour mit den Reitern, dann eine nächste und die ersten Festival Auftritte. Zunächst war es das Radio, dann MTV, jetzt sind es eben die Agenturen die bestimmen wer wie oft spielt und an wem man dann einfach nicht mehr vorbeikommt und gefälligst mal gut zu finden hat, auch wenn einen das Gefühl beschleicht, hä, war doch irgendwie alles und vielleicht auch schonmal besser da. Nimms jetzt hin, du kleiner Metaller-Wurm! Sollen wir an der Stelle noch was über die Brothers in Metal erzählen? Besser nicht, copy and paste tuts auch.
Auch wenn die Seasons in Black nicht in die Kategorie Verkleidung und Powermetal passen und schon lange am Start sind, darf dieser Auftritt dann doch in die Schublade künstlich gehypt reinkommen. Es gibt auf dem neuen Album Gastbeiträge von In Extremo Mitgliedern, ein Interview im RockHard und Auftritte auf dem Rock Harz und Wacken. Sei der Band ja gegönnt, aber herje nochmal, mit dem Cover von „Inside“ und Stiltskin verpasst ihr euch im Jahr 2025 trotzdem keinen Chart Erfolg, auch wenn es mit allen Mitteln hinter den Kulissen krampfhaft versucht wird. Alles Gute der Band, alles was hinten dran passiert: absolut lächerlich!
Herman Frank führt das Erbe von Victory sehr gut weiter, obwohl er weder konstant noch Gründungsmitglied der Band war. Das spielt aber keine Rolle, gibt mittlerweile ja mehrere Bands, die kein Gründungsmitglied mehr dabei haben und wenn dies historisch gesehen einfach langsam so voranschreitet, ist da auch nichts dran auszusetzen. Lächerlich wird’s erst dann, wenn ein Bassist der für zwei Shows in den 80igern bei einer Demo Band ausgeholfen hat, diese jetzt fürs Keep it True reaktiviert. Aber gut, ist hier wie erwähnt nicht der Fall und Sänger Gianni pendelt mit seiner Stimme wunderbar zwischen normalem Hardrock und Reibeisengesang hin und her. Passt super! Harte Kost für traditionelle Metaller ist dann tatsächlich Landmvrks. Ja, es gibt durchaus auch geile Riff-Momente in deren Modern Metalcore, aber die Rap-Einlagen sind schon hart. Sieht eine riesige, abfeiernde Masse vor der Bühne anders. So solls sein.
Für die Thrash Fraktion sorgen dann Forbidden auf der Louder Stage für die Vollbedienung. Musikalisch gibt’s zwar absolut nix zu meckern, auf der großen Bühne passiert aber leider zu wenig und die fünf Amis wirken fast ein wenig verloren dort. Schätze für Clubs ist die Band irgendwie mehr gemacht. Mächtig Wirbel im Matsch vollbringen Wednesday 13. Zwar scheint die Sonne, was für die Schminke nicht allzu gut ist, aber die Stimmung ist dafür umso besser. Top Sound, mega viel Bewegung und hier und da ein paar Murderdolls Songs und die Leute und die Meute ist zufrieden. Zum Schluss ein kleines „I love to say fuck“ mit Regenschirm und es darf von einem überaus gelungenen Auftritt gesprochen werden.
Von irgendwelchem Pop über Disney Musical zum Metal. Es gibt Leute, die entweder alles probieren um Erfolg zu haben oder es gibt Leute, die lange brauchen um zu merken, wohin sie gehören. Peyton Parrish ist solch eine Person und jeder entscheidet wohl für sich, zu welchem Lager er gehört. Viele aus dem Wacken Publikum scheinen ihn zu mögen, also ist auch dieser Auftritt wie so viele andere für die einen ein Highlight, für die anderen etwas, bei dem lieber in eine andere Bühne gezappt wird. Schließlich hat man genau dafür so viele Sender, äh Bühnen.
Eines vorweg, der Auftritt war wirklich sehr geil und man hat jedem Bandmitglied angesehen, dass er sowas von Bock hatte auf brachialen Industrial Metal. Aber was hätte man nicht alles rausholen können aus dem Namen Nailbomb? In den 90iger hätte die Band um Max Cavalera und Alex Newport locker die Hauptbühne gefüllt, vielleicht sogar als Headliner (je nach Konkurrenz im Jahr). So aber, angekündigt, aber mit nichts drumherum. Kein Re-Release, keine größeren Interviews, nichts um jemand der sich mit der Materie einer Nagelbombe nicht auskennt, hinterm Ofen vorzulocken. Es bleibt also bei den Altfans, aber die werden mit einem geilen Auftritt belohnt. Fein, sowas nochmal zu sehen zu bekommen, was ja irgendwie keiner erwartet hat. Max, etwas schlanker als in den letzten Jahren, freut sich ebenfalls sichtlich und man würde sich nicht wundern, wenn aus diesem Spaß nochmal für ein zweites Studioalbum ernst würde. Warten wirs ab.
Biffy von Saxon hätte gerne gerockt, musste aber wegen einer Not OP Auftritte absagen. Es darf gezweifelt werden, ob der Auftritt auch um diese Uhrzeit stattgefunden hätte, die Hälfte der Altrocker haben aber auch Spaß beim Auftritt von Krokus, die in (einer?) ihrer Ur Besetzung gerade auf Tour sind und schon über 50 Jahre auf dem Buckel tragen. Glückwunsch, ihr Nachbar Schweizer. Ein Burton mag auf Platte immer abgeliefert haben, live hingegen nie. Was man einem Axl nachsagt, durfte jederzeit auf einen Burtonzutreffen. So war die Spannung groß, wie Fear Factory mit Milo am Mikro klingen würden. Und sie klingen gut. Richtig gut. Zum ersten Mal für den Verfasser dieser Zeilen. Und das direkt mit dem Starterdoppelpack vom „Demanufacture“ Album, welches heute auch im Mittelpunkt stand und sogar den Coversong „Dog Day Sunrise“ inkludierte. Das komplette Album wird zelebriert (ok, vielleicht sind die minutenlange Ausklangtöne von „A Therapy For Pain“ etwas reduziert gewesen) und als Abschluss noch einen „Linchpin“ obendrauf. Danke für die Entschädigung nach Jahren des Versuchens.
Und während der Industrial auf der Louder ballert, ballert Herr Dirkschneider und seine Truppe das komplette „Balls To The Wall“-Album am Stück, ergänzt um „Princess Of The Dawn“, „Up To The Limit“ und „Burning“. Sein alter Kompagnon Mr. Baltes spielt freudig Bass und sieht dabei freudiger aus, als bei der Ex Band Accept. Udo hat es schon immer verstanden, eine gute Band zusammenzustellen und meist auch über Jahre zu halten. Scheint ein gutes Bandklima zu sein, welches sich mit Spielfreude aufs Publikum überträgt und den 72 jährigen Fronter aber mal sowas von gar nicht alt aussehen lässt.
Egal wie man nun zum Gunners Auftritt steht, die Anzahl der Leute und die Resonanz ist beim heutigen Headliner Papa Roach auf jeden Fall größer. Und auch wer mit 90iger Radio-Pop-Metal-Newmetal nix anfangen kann, der merkt schnell, hier sind Könner am Werk und hier ist Druck UND Spielfreude am Start. Ständig werden mit Anspielungen andere Bands gehuldigt und Sänger Jacoby bezieht bei seiner Ansage fast im Publikum sogar kurz einen Crowdsurfer mit ein, stützt sich auf die Faust eines Fans und lässt auch mal jemanden im Publikum singen. Wirkt mega sympathisch und „Last Resort“ zieht live auch die größten Traditionalisten mit. Würdiger Headliner in jedem Fall.
Ja, Schandmaul haben ihren Sänger eingebüßt, aber ihre Fans anscheinend nicht. Und so kommt es wie es kommen musste: Schandmaul auf der Wackinger Stage im eingezäunten Mittelalterplatz? Und zack, zu und dicht und die Durchsage, man solle sich doch zu anderen Bühnen begeben. Ehrlicher Applaus für die Band, ironischer für die Planung. Ein stimmiges Bühnenbild und zugehörige Outfits setzen die schwarzen Dimmu Borgir gekonnt in Szene und gefühlt ist diese Band auch schon immer bei Wacken am Start gewesen. Natürlich nicht wie Doro oder ihre Geigernachahmerin ständig, aber eben schon lang. Das Publikum ist begeistert und dreht völlig durch beim abschließnenden „Mourning Palac“.
Etwas komplett gegenteiliges bieten Bad Loverz. Rock und Pop Songs, mit Perrücken und Glitzerkostümen. Man könnte sagen, auch die Ansagen sind total albern und irgendwie beschleicht einen das Gefühl, das soll auch so sein. Schließlich sind die Musiker ja Saltatio Mortis , aber die gibt’s ja schließlich schon und die machen ja eher andere Musik. Echten und erdigen Rock n Roll bekommen die Wackingmaniacs dann mit The Hellacopters. Die Band feiert zusätzlich den Geburtstag ihres Sängers und wird dafür mit Happy Birthday Sprechchören belohnt.
Und da ist sie endlich. OK, vielleicht war sie auch vorher irgendwo, aber man kann ja die Augen nicht überall haben: Doro. Bei den The Butcher Sisters. Einfach himmlisch, man wähnt sich nicht in Wacken, wenn man nicht der blonden Düsseldorferin gelauscht hat. Aber ist ja auch kein Wunder, die ganzen Tröten haben ja zusammen erst ein neues Wacken Lied mit Video rausgebracht und der Mensch der hier schreibt hat sich bisher erfolgreich dagegen gewehrt, dieses Lied zu hören. Gut, es wurde mal kurz zwischen irgendwelchen Bands gespielt, aber nur angeteasert. Das zählt nicht. Am Himmel zaubern Drohnen einen Ozzy Tribut und die meisten gehen grob in Richtung Zeltplatz – wo auch immer der dann sein mag.