Soldatenschicksale im Carlswerk in Köln mit Kanonenfieber

Was für ein Abend im Carlswerk in Köln. Kanonenfieber sind mit Ihre Soldatenschicksale Tour unterwegs und haben in Köln halt gemacht. Das Carlswerk ist an diesem Abend ausverkauft und man sieht von Anfang an, das dies wohl ein anderer Abend wird als die vielen anderen Konzertabende, die ich in den letzten Jahren mit gemacht habe. Die ein oder anderen Fans haben passend zu Kanonenfieber auch eine Soldatenuniform an oder zumindest einen Helm oder Mütze auf dem Kopf. 

Thematisch schonungslos im Ersten Weltkrieg angesiedelt, bringt die Black- und Death-Metal-Band Kanonenfieber einen historischen Standpunkt auf die Bühne und setzt ein Mahnmal für die Kriegshistorie und die Schattenseiten des Krieges. Nicht aus Euphorie getränkte Heldentaten, Kriegsgewinner oder Befreiungsschläge stehen im Fokus, sondern die schlimmsten Seiten, die man aufzeigen kann. Kanonenfieber ist der Begriff für frühe Formen von Kriegstraumata und genau das transportiert die anonyme Band jetzt auf Tour. Das Bühnenbild allein war ein Statement: Echter Stacheldraht an der Front, dichter Nebel, der über den Boden kroch, und ein Lichtkonzept, das so kalt und hart war wie ein Winter an der Ostfront. Die Musiker traten in historischen Uniformen auf, die Gesichter hinter Masken verborgen. Diese Anonymität machte es erst richtig beklemmend – es gab keine Rockstars, nur schemenhafte Gestalten, die wie die Geister gefallener Soldaten wirkten. Das kollektive Schicksal stand über dem Individuum, und das spürte man in jeder Faser. 

Kanonenfieber glorifiziert nichts. In rasantem Tempo hat sich die Band seit der Gründung im Jahr 2020 vom Geheimtipp zum festen Faktor der Szene entwickelt. Nicht, weil es einfach nur laut ist, sondern weil es eine Botschaft gibt. Hier wird angeklagt, erinnert und gewarnt – mit den Mitteln des Extreme Metal. Wer Unterhaltung sucht, ist hier falsch. 

Die Fans im LKA lieferten den physischen Gegenpart zur inhaltlichen Düsternis. Es war, als müsste der Schmerz der erzählten Geschichten direkt in Bewegung transformiert werden. Inmitten von Nebel und Stacheldraht-Ästhetik wirbelte die Menge unermüdlich im Kreis – eine Form der kollektiven Entladung, die der dichten Atmosphäre jedoch keinen Abbruch tat. Ganz im Gegenteil: Dieser ständige Wechsel aus andächtigem Innehalten und totaler Eskalation im Pit machte die Dynamik des Abends erst komplett. KANONENFIEBER haben es geschafft, dass man gleichzeitig tief erschüttert sein und sich die Seele aus dem Leib moshen kann.

Setlist:

  1. Die Feuertaufe
  2. Dicke Bertha
  3. The Yankee Divison March
  4. Die Fastnacht der Hölle
  5. Der Füsilier I
  6. Der Füsilier II
  7. UBoot sperre
  8. Kampf und Sturm
  9. Z-Vor
  10. Heizer Tenner
  11. Die Havarie
  12. Verscharrt und Ungerühmt
  13. Grossmachtfantasie
  14. Menschenmühle
  15. Gott mit der Kavallerie
  16. Panzerhenker
  17. Der Maulwurf
  18. Verdun
  19. Ausblutungsschlacht
  20. Als die Waffen kamen

Bilder von Kanonenfieber gibt es hier: https://rock-konzert-magazin.com/kanonenfieber/

Ach ja, Kanonenfieber waren nicht alleine auf Tour. Mental Cruelty fingen den Abend mit einem Brett aus Deathcore und Black Metal an. Die Jungs aus Karlsruhe waren auch zum teil nur schemenhaft zu sehen. Frontman Lukas Nicolai, der sich in den ersten beiden Songs in einem Gewand „versteckt“ hatte, hatte eine gewaltige Bühnenpräsenz. Headbangen und das unermüdliche Pommes Gabel schwingen bei den Fans war an der Tagesordnung und hielt auch während des gesamten Sets an. 

Setlist:

  1. Obsessiv a Daemonio
  2. Helheim
  3. King ov Fire
  4. Pest
  5. Avgang
  6. Ultima Hypocrita
  7. Fagotten Kings
  8. nordlys
  9. Zwielicht
  10. Symphony of a Dying Star

Bilder von Mental Cruelty gibt es hier: https://rock-konzert-magazin.com/mental-cruelty-2/

Düster, Nachdenkend und mit vielen vielleicht verstörenden Eindrücken verließ ich dann das Carlswerk in Köln um auf dem Weg nach Hause noch das ein oder andere mal darüber nach zu denken, was ich an diesem Abend gesehen und gehört habe. Es war von beiden Bands ein starker Abend mit viel Geschichte.