
In Newcastle kursiert ein Witz: Entweder stirbt man als Held, oder man lebt lange genug, um Gitarrist bei Venom zu werden. Die diabolischen „Geordies“ können für sich in Anspruch nehmen, eine der einflussreichsten Bands der Metal-Geschichte zu sein – haben sie doch ein ganzes Genre aus der Taufe gehoben (oder es zumindest benannt, mit dem 1983er-Album *Black Metal*) und junge Wilde wie Metallica – neben vielen anderen – dazu inspiriert, noch schneller, härter und lauter zu spielen. Heutzutage ist die Sache jedoch reichlich kompliziert geworden: So existiert zum einen jene Version der Band, die vom legendären Frontmann Conrad „Cronos“ Lant angeführt wird; zum anderen gibt es „Venom Inc.“, gegründet von den Originalmitgliedern – Schlagzeuger Anthony „Abaddon“ Bray und Gitarrist Jeff „Mantas“ Dunn –, in deren aktueller Besetzung sich jedoch niemand mehr findet, der an den Alben *Black Metal* oder *Welcome To Hell* mitgewirkt hat. Dennoch haftet ihrem Namen – oder vielmehr ihren Namen – auch diesseits des 21. Jahrhunderts noch immer eine potente schwarze Magie an; selbst wenn dies nicht immer auch für die Musik selbst gilt.
Es ist daher erfreulich, dass *Into Oblivion* das Beste ist, was seit den 80er Jahren den Namen Venom getragen hat. Auch wenn man sich nicht unbedingt wünschen würde, dass sie ihren scheppernden, ungeschliffenen Lärm modernisieren, so wohnt diesem Werk doch eine frische Würze inne. Zuweilen rücken sie dank der massiveren Gitarren nicht allzu weit von den Venom-Fanatikern *High On Fire* ab – nur eben so, als würden diese unter dem Einfluss von Speed und Satan stehen. Man höre sich nur das wuchtige Intro und den Doubletime-Vorstoß des Titeltracks an oder das druckvolle, im Midtempo gehaltene „Man & Beast“.
Cronos selbst klingt passend dämonisch. Seine Heulrufe in „Death The Leveller“ und das wild-irrsinnige Herausbrüllen des Titels von „Metal Bloody Metal“ sind genau so wahnsinnig, wie man es sich wünscht; in „Kicked Outta Hell“ hingegen klingt er wie der größte Hooligan des Hades. Im selbstreflexiven „Lay Down Your Soul“ – mit seinen rasanten Riffs – wirkt er so entflammt wie damals, als er auf dem Album „Black Metal“ zum ersten Mal forderte: „Lay down your souls to the gods of Rock ’n’ Roll“. Ist seine rau vorgetragene Nacherzählung von Edgar Allan Poes „Der Rabe“ in „Nevermore“ lächerlich? Natürlich ist sie das. Und warum sollte man das nicht wollen?
Es ist gewaltig, laut, ungeschliffen und mit Satan im Bunde. Für einen derart ruchlosen Mann hat Cronos hier ganze Arbeit geleistet.
Wir geben 8 von 10 Punkten