Behemoth – I Scvlptor

Death Metal. Black Metal. Dark Metal. Wer blickt da schon durch? Sicherlich könnten einige von euch Lesern die Unterschiede haarklein aufzählen. Aber als Fan „harter Musik“ verliere ich mich leicht in diesem Label-Dschungel. Ich höre einfach gerne zu und entscheide, ob mir gefällt, was ich höre. Und Behemoth – die es in der einen oder anderen Form schon seit den frühen 90ern gibt – haben die Bühnen der Welt im Sturm erobert. Ihr Death-Metal-Sound (falls das die korrekte Bezeichnung ist), kombiniert mit ihren faszinierenden Bühnenshows, ergibt ein ziemlich überzeugendes Gesamtpaket.

Man denke an Carcass, aber statt Bill Steers Schlaghosen und dem eher traditionellen Ansatz bekommt man hier genau das, was der Sound verspricht: Dunkelheit, Make-up, tiefrotes Bühnenlicht, Gitarren, die auch als spitze Waffen taugen würden, und natürlich Christus selbst, kopfüber am Kreuz hängend. Vielleicht haben Behemoth genau so ihren Nischensound zu einer festen Größe in der Rockwelt gemacht (schaut euch mal ihr Hellfest-Video von 2026 an).

Und diese Woche darf ich mir das neueste Werk der polnischen Truppe anhören: „I, Scvlptor“. Ein monströses Album mit acht Tracks voller Thrash, Dunkelheit, Death Metal und Double-Bass-Drumming. Legen wir also los und drehen wir das Ding mal auf.

Gleich bei Track 1, „I, Sculptor“, bekommt man über vier Minuten lang eine stetige, wuchtige Snare zu hören, unterbrochen von schnellen Riffs, kehligem Gesang und donnerndem Bass. Auch wenn es Death Metal ist – wie eigentlich jede Metal-Musik –, gleicht es einer theatralischen Show aus Feuer und Eis. Und doch kann ich mich bei Behemoth nicht ganz entscheiden, ob da noch mehr dahintersteckt. Diese gewisse Schärfe macht mir ein wenig Angst – selbst wenn ich bei eingeschaltetem Licht zuhöre.

„Lord ov the Horizons“ ist ein weiterer Song, der zwischen vier und fünf Minuten dauert und das pure Böse verkörpert – destilliert in einem einzigen Lied. Tief gestimmte Gitarren sind hier natürlich Standard. Und was als gekonnter Gesang beginnt, wandelt sich bald in die Stimme des Teufels – was mich, während ich meinen Morgentee trinke, erneut etwas nervös macht.

„Rise of the Blackstorm of Evil“ ist Track 3. Der Titel sagt eigentlich schon alles. Er beschreibt den Song fast perfekt – ob nun beabsichtigt oder nicht. Der Song braut sich zusammen wie ein Sturm auf hoher See, der näher rückt und lauter wird. Bis man schließlich im Auge des Sturms steht und Blitz, Wind und Donner einen in ihren Bann ziehen. Man ist gleichermaßen fasziniert wie angespannt. Es ist eine beachtliche Gabe, wenn Musik so etwas bei einem bewirken kann.

„In Thy Pandemaeternum“ und das darauf folgende „Begotten“ funktionieren hervorragend; sie wirken fast wie eine Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Selbst wenn man nicht jedes Wort des Textes versteht, wirkt das Album eher wie ein Soundtrack oder eine Theaterinszenierung als wie gewöhnliche Rockmusik.

„In League With Satan“ ist ein echter Kracher – und seltsamerweise weniger beklemmend als einige der vorangegangenen Stücke. Der Song ist zwar genauso düster, scharf und beunruhigend, doch der Refrain ist eben ein echter Refrain: „Evil… In League With Satan!!“ – Zeilen, die das Publikum bei den Sommerfestivals im nächsten Jahr zweifellos lautstark mitsingen wird.

Die letzten beiden Titel des Albums stehen an; wir bekommen eine seltene Live-Aufnahme von „The Return of Darkness and Evil“ zu hören. Sie bietet einen eindrucksvollen Einstieg in das Schaffen der Band, falls man sie noch nicht kennt oder live erlebt hat. Ich kann nur empfehlen, sich diesen Song anzuhören, wenn man neugierig auf diesen Sound ist.

Der letzte Titel ist eine rohe Studioaufnahme des bereits zuvor gehörten „Lord ov The Horizons“; sie gewährt einen Einblick in etwas, das manche als „roh“ und andere als „perfekt“ bezeichnen würden. Es klingt genauso frisch und wirkungsvoll wie die offizielle Studioversion, die weiter vorne auf dem Album zu hören ist.

Sich Behemoths neuestes Album anzuhören, ist, als würde man ganz allein im Dunkeln einen Horrorfilm schauen. Gleich zweimal. In diesem Moment fragt man sich, warum man sich das eigentlich antut. Diese Qual, das Sitzen auf der Stuhlkante oder das ebenso nervenaufreibende Verstecken hinter dem Kissen während der Gewaltszenen. Und doch: Jetzt, wo es vorbei ist, könnte ich es mir ohne Weiteres noch einmal anhören.

Genau das zeichnet qualitativ hochwertige Arbeit aus. Polens Death-Metal-Elite kann stolz darauf sein, Musik zu erschaffen, die beim Hören zwar ein unbehagliches Gefühl auslöst, einen aber dennoch dazu bringt, sie immer wieder hören zu wollen.

Wir geben 8,5 von 10

Tracklist

1. I, Scvlptor 

2. Lord Ov The Horizons 

3. Rise Of The Blackstorm Of Evil 

4. In Thy Pandemaeternum 

5. Begotten 

6. In League With Satan (Venom Cover) 

7. The Return Of Darkness And Evil (Bathory Cover) (Live) 

8. Lord Ov The Horizons (Rough Mix)