Die Toten Hosen verwandeln Köln in ein gigantisches Punkrock-Fest

Strahlender Sonnenschein, sommerliche Temperaturen und ein restlos ausverkauftes RheinEnergieSTADION: Rund 50.000 Fans erlebten am Samstagabend eine mitreißende Show der Toten Hosen, die einmal mehr unter Beweis stellten, weshalb sie seit Jahrzehnten zu den besten Livebands Deutschlands gehören. Bereits die Antilopen Gang heizte dem Publikum als Support mit einer energiegeladenen Performance ordentlich ein und bereitete den Boden für einen Konzertabend voller Emotionen und Ekstase.

Exakt um 20:02 Uhr erklang das Intro, ehe Campino und seine Band mit „Opel-Gang“ explosionsartig loslegten. Schon nach wenigen Takten flogen die ersten Bierbecher durch die Luft, Circle Pits öffneten sich im Innenraum und das Stadion verwandelte sich in ein einziges Meer aus springenden, singenden und tanzenden Fans.

Die Toten Hosen präsentierten sich über den gesamten Abend in Höchstform. Ohne nennenswerte Pausen jagten sie einen Klassiker nach dem anderen durch die Setlist und hielten die Energie konstant auf höchstem Niveau. Bei „Auswärtsspiel“ sorgten riesige Fahnen im Publikum für ein beeindruckendes Bild, während „Paradies“ und „Wannsee“ von den Zuschauern lautstark mitgesungen wurden. Es war einer dieser Abende, an denen Band und Publikum nahezu nahtlos miteinander verschmolzen.

Zwischen all der Euphorie schuf „Nur zu Besuch“ einen der emotionalsten Momente des Konzerts. Campino widmete die Ballade seiner verstorbenen Mutter. Für wenige Minuten wurde es im Stadion spürbar ruhiger, ehe tausende Stimmen den Song gemeinsam trugen – ein Gänsehautmoment, der zeigte, dass die Toten Hosen neben ihrer unbändigen Live-Energie auch eine außergewöhnliche emotionale Tiefe besitzen.

Mit Klassikern wie „Bonnie & Clyde“ und dem brachial gefeierten „Hier kommt Alex“ zog das Tempo anschließend wieder deutlich an. Das Publikum ließ sich keine Sekunde bitten und verwandelte das Stadion in einen einzigen Hexenkessel. Die Spielfreude der Band übertrug sich unmittelbar auf die Fans, die jede Zeile mitsangen und jede Gelegenheit zum Feiern nutzten.

Auch die Zugaben boten zahlreiche Höhepunkte. Im ersten von insgesamt drei Zugabenblöcken sorgte „Heute hier, morgen da“ für einen besonderen Moment, bevor Sammy Amara von den Broilers für „Meine Familie“ auf die Bühne kam und den Jubel im Stadion weiter anheizte. Mit „Tage wie diese“ erreichte die Stimmung einen weiteren Höhepunkt – ein Song, der längst zur Hymne einer ganzen Generation geworden ist.

Nach einer kurzen Unterbrechung folgte die zweite Extrazugabe. Campino erzählte die Geschichte von drei Straßenmusikern in Berlin, bevor die Band mit ihrer Interpretation von „Schrei nach Liebe“ ein deutliches Zeichen gegen Hass und Intoleranz setzte. Das Publikum feierte den Ärzte-Klassiker lautstark und machte die Botschaft des Songs eindrucksvoll sichtbar.

Eigentlich verabschiedeten sich die Hosen mit „Schönen Gruß, auf Wiedersehen“. Doch die minutenlangen „Zugabe! Zugabe!“-Rufe machten schnell klar, dass Köln noch lange nicht genug hatte.

Unter tosendem Applaus kehrte die Band schließlich erneut auf die Bühne zurück. Campino trug dabei das Heimtrikot der Düsseldorfer EG, während seine Bandkollegen in unterschiedlichen Trikots erschienen – ein augenzwinkernder Moment mit viel Selbstironie. Mit „Zehn kleine Jägermeister“ wurde noch einmal ausgelassen gefeiert, bevor „Freunde“ den Schlusspunkt setzte. Den emotionalen Abschluss bildete das gemeinsam mit dem gesamten Stadion gesungene „You’ll Never Walk Alone“ – ein Moment voller Gänsehaut, Gemeinschaftsgefühl und Dankbarkeit.

Nach über zweieinhalb Stunden verabschiedeten sich die Toten Hosen unter frenetischem Applaus von ihren Fans. Was in Köln zu erleben war, war weit mehr als ein Rockkonzert: Es war ein generationenübergreifendes Fest voller Leidenschaft, Emotionen und ungebrochener Live-Energie. Ein Abend, der eindrucksvoll zeigte, dass die Toten Hosen auch nach Jahrzehnten auf der Bühne nichts von ihrer Strahlkraft verloren haben.

Setlist

  1. Intro (Trink aus)
  2. Opel-Gang
  3. Die Show muss weitergehen
  4. Wir waren nie weg
  5. Auswärtsspiel
  6. Du lebst nur einmal (vorher)
  7. Laune der Natur
  8. Paradies
  9. Nur nach vorn
  10. Altes Fieber
  11. Schlechte Nachbarn
  12. Wannsee
  13. Liebeslied
  14. Was ist mit uns los
  15. All die ganzen Jahre
  16. Nur zu Besuch
  17. Steh auf, wenn du am Boden bist
  18. Bonnie & Clyde
  19. Helden und Diebe
  20. Was früher einmal war
  21. Alles aus Liebe
  22. Pushed Again
  23. Wünsch DIR was
  24. Hier kommt Alex
  25. Encore:
  26. Heute hier, morgen dort
    (Hannes Wader cover)
  27. Meine Familie
    (Broilers cover) (with Sammy Amara)
  28. Tage wie diese
  29. Encore 2:
  30. Düsseldorf
  31. Schrei nach Liebe
    (Die Ärzte cover)
  32. Schönen Gruß, auf Wiederseh’n
  33. Encore 3:
  34. Alles wird vorübergehen
  35. Zehn kleine Jägermeister
  36. Freunde
  37. You’ll Never Walk Alone
    (Rodgers & Hammerstein cover)
  38. Ich liebe das Leben
    (Vicky Leandros song)

 

Fotos by Bastian Bochinski